Das Programm "Verantwortung übernehmen - Abschied von Hass und Gewalt" befasst sich mit Jugendlichen, die sich aufgrund schwerer und schwerster Gewaltstraftaten in Haft befinden und diese Taten mit rechtsextremen, ethnozentristischen oder kulturell-religiösen Begründungen rechtfertigen.

Dem von Violence Prevention Network in den letzten Jahren konzipierten Ansatz der Verantwortungspädagogik® liegt die Annahme zu Grunde, dass sich eine stabile Verhaltensveränderung nicht durch Konditionierung mit dem Ziel der Affektkontrolle erreichen lässt, sondern nur durch Herstellen von Empathievermögen durch Hinterfragen und Reflektieren des Bisherigen, d. h. durch kognitiven und emotionalen Erkenntnisgewinn.

Durch eine Koppelung von demütigungsfreier Anti-Gewalt-Arbeit und an Alltagserlebnissen der Teilnehmer orientierter Politischer Bildungsarbeit werden beide Problembereiche der Zielgruppen in einer Maßnahme aufgegriffen und durch eine beziehungsorientierte Herangehensweise der Trainer/innen während und nach der Haft aufgearbeitet.
Dieser Ansatz lässt sich auf alle Gruppen von Jugendlichen übertragen, die Gewalt aufgrund einer Überbewertung und Überhöhung der eigenen Gruppe, Ethnie oder des eigenen Kulturkreises rechtfertigen. Ziel ist die Arbeit mit jungen Menschen, die sich in anti-demokratischen Gruppenstrukturen bewegen und fremdenfeindliche, vorurteilsmotivierte oder abwertende Denkmuster aufweisen. Der Begriff Fremdenfeindlichkeit bezieht sich dabei sowohl auf eine andere Ethnie, Kultur, Religion als auch auf eine andere soziale Schicht.

Die zugrunde gelegte Annahme erfordert, dass sowohl das Gewaltverhalten als auch dessen Einbettung in politische Überzeugungen und dazu passende Gruppenzusammenhänge hinterfragt werden müssen. Es reicht nicht aus, Alternativen zu diskutieren ohne zu verstehen, warum bestimmte Situationen als aggressions-auslösende Impulse auf die Jugendlichen wirken und ein völliger Verlust von Affekt-Kontrolle erfolgt. Die Frage nach dem warum macht auch eine Aufarbeitung der persönlichen Geschichte wie auch der Gruppenkontexte, der sog. „Kumpelhorde“ oder Clique - als ursächliche Komponente der Verhaltensentwicklung  - unerlässlich. Die Frage nach den Alternativen erfordert eine detaillierte Auseinandersetzung mit der Straftat, die herkömmliche Ausflüchte nicht länger gelten lässt und Rechtfertigungskonstrukte der Täter in Frage stellt.

Das Ziel der Arbeit ist es, jungen Menschen zu einem eigenverantwortlichen Leben zu verhelfen, in dessen Verlauf sie weder andere noch sich selber schädigen. Durch die Befähigung zur gewaltfreien Konfliktlösung soll erneute Straffälligkeit vermieden werden. Die Akzeptanz des Grundrechts auf Menschenwürde und Unversehrtheit jedes Menschen sowie die Entwicklung von Distanzfähigkeit gegenüber menschenverachtenden Ideologien und Handlungen soll sie vor einer Rückkehr in die bisherige, schädigende Gruppenstruktur bewahren. Der Aufbau von Kommunikations-, Beziehungs- und Konfliktlösungsressourcen für eine eigenverantwortliche, gewaltfreie, positive Zukunftsplanung stellt den Schlüssel für eine erfolgreiche (Re-)Integration in die Gesellschaft dar.

Das vom Team des Violence Prevention Network seit 2002 umgesetzte und seitdem stets weiter entwickelte Konzept basiert im Wesentlichen auf drei Angebots-Säulen: die Trainingsprogramme, die Betreuung nach der Haftentlassung sowie Schulung und Qualifizierungsmaßnahmen sowohl für das Personal der Haftanstalten, als auch für zukünftige neue Trainer/innen.

Da in den bisher beteiligten Bundesländern kaum weibliche Jugendliche einsitzen, die aufgrund von Gewaltstraftaten mit den dargestellten Motivlagen inhaftiert wurden, richtet sich das Programm momentan ausschließlich an männliche Jugendliche.