Violence Prevention Network

 
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Verantwortungspädagogik®

Der von Violence Prevention Network entwickelte Ansatz der Verantwortungspädagogik® ist ganzheitlich zu verstehen und bewirkt eine Verhaltensveränderung hin zum verantwortungsbewußten Umgehen mit sich und anderen. Er beschränkt sich nicht alleine auf die Person, sondern bezieht sukzessive das Umfeld und wichtige Angehörige mit ein. Er sieht zudem eine längerfristige Betreuung vor und bleibt nicht auf den Zeitraum der strafenden wie erzieherischen Maßnahmen beschränkt. Er wirkt unmittelbar in Alltag, Freizeit und Arbeit hinein. D.h. die Pädagogen/innen bleiben den Jugendlichen auch dort erhalten, soweit sie für eine Unterstützung/Betreuung nach Auslaufen der Haftzeit oder Maßnahme optieren. Erfahrungsgemäß ist das – soweit das Angebot unterbreitet werden kann – fast immer der Fall.

Zentral ist in dem Zusammenhang das Beziehungsangebot. Doch Beziehungsangebote selber haben nicht unmittelbar Verhaltensveränderungen zur Folge. Deswegen erfolgt ein curriculares Training, das vor allem mit Elementen aus lernpsychologischen Ansätzen, dem Kognitivismus und der humanistischen Psychologie agiert, und mit dem Einbezug von Personen aus dem familiären und sozialen Umfeld einem systemischen Handeln entspricht. Denn Verhaltensveränderungen sind nicht unmittelbar die Folge persönlicher Entscheidungen, sondern ebenso abhängig von Kontext und Situation und das Ergebnis von Aushandlungen und Prozessen.

Hinzu kommt ein Bildungsansatz, der die Vorstellungen von Gesellschaft, Geschichte, Herkunft, moralischen Prämissen und politischen Vorstellungen immer dann aufgreift, wenn die Teilnehmer es selber thematisieren; nicht zu vergessen die Ausgestaltung und Selbstverständnisse in Bezug auf Geschlechterrollen. Dieser Ansatz entspricht weniger einem einmalig aufbereiteten (Info-) Modul, wie es aus der Schule bekannt ist. Die inhaltlichen Themen im Kontext Extremismus, Ethnozentrismus, Autoritarismus sind und bleiben stetiges Thema in der Auseinandersetzung. Die jeweiligen Ansatzpunkte und Themen entfalten sich unmittelbar aus der Praxis und Erfahrungswelt der TN. Das erfordert von den Pädagogen/innen eine permanente Sensibilität für das Gesagte, um aus ihren Beschreibungen und Deutungen den jeweiligen Bildungsgehalt zu identifizieren und den darin verborgenen Motivationen und Begründungen gewissermaßen hinterher zu steigen.

Bisherige Erfahrungen zeigen, dass dieses Vorgehen gerade bei dieser Zielgruppe ein sehr fruchtbarer Weg ist, starres und manifestes Denken zunächst zu irritieren und damit in Bewegung zu setzen. Vorfabriziertes Wissen mit eindeutigem moralischem Impetus hat dagegen bei dieser Zielgruppe eher Kampfbeziehungen zur Folge. Sie machen „dicht“ und inszenieren geradezu Konfrontationen.

Abhängig ist der Erfolg aber immer auch von den Pädagogen/innen selber. Veränderungen im Verhalten, „Bewegung“ im Denken sind nicht nur eine Folge einer ausgeklügelten Methodik, sondern immer auch eine Frage der Personen und Haltungen der Pädagogen/innen oder Trainer/innen. Gemeint ist damit deren Beziehungsgestaltung. Das schließt ebenso eine respektvolle dialogische Kommunikation mit ein wie auch eine Offenlegung eigener Selbstverständnisse und ein sicheres Agieren auf dem methodischen Tableau. Nicht zuletzt deshalb liegt ein wichtiger Schwerpunkt des Projektes in der Qualifizierung, Fortbildung und Begleitung des Personals  an Trainer/innen und Trainern und Padagogen/innen sowie in der Fortbildung von Co-Trainern.

Das pädagogische Konzept beruht auf einem explizit nicht-konfrontativen Ansatz.  Akzeptanz und der Verzicht auf Demütigung dienen dazu, Verstehen zu ermöglichen - nicht Verständnis -, und Handlungen zu erklären - nicht zu rechtfertigen. Wirksamkeit und Erfolg des Programms  basieren im Wesentlichen auf der Kombination folgender Elemente:

  1. Gruppentraining während und Stabilisierungscoaching nach der Haft
  2. Biographische Aufarbeitung und Einbeziehung von Angehörigen
  3. Hinterfragendes Antigewaltkonzept und politisch-historische Bildungsarbeit.
 

Verhüten

„Man muss sich vorstellen, wenn die Leute ins Gefängnis kommen, dann fühlen sie sich als Opfer dieses Systems, dadurch radikalisieren sie sich auch:  ‘Dieses System schlägt gegen mich zu. Ich bin diesem System gefährlich geworden! Ich bin jetzt was!’ So wird natürlich während der Haftzeit ein unglaublicher Hass aufgebaut. Man versucht, es diesem System zu zeigen, man lehnt Gesprächsangebote - etwa von Sozialarbeitern - ab. Man hat immer im Hinterkopf: ‘Diese Leute wollen mich umerziehen! Diese Leute wollen mich stoppen. Diese Leute wollen meine Gesinnung und meine Anschauungen bekämpfen, und zwar über Gespräche und Therapierunden mit Sozialarbeitern und Psychologen.’ D. h., es ist von vorneherein ein großer Widerstand da.“
Ein Aussteiger aus der rechtsextremen Szene