Violence Prevention Network

 
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Trainingsinhalte

 

Kernstück des Programms "Verantwortung übernehmen - Abschied von Hass und Gewalt" sind die ca. 5-monatigen AKT®-Trainings. Eine Trainingsgruppe umfasst max. acht Teilnehmer und wird von je zwei zertifizierten AKT®-Trainer/innen angeleitet. Ein Training umfasst in der Regel 23 Trainingseinheiten und findet wöchentlich innerhalb der Haftanstalt statt.

Teilnahmebedingungen

Das AKT®-Training richtet sich an männliche, ideologisierte Gewalttäter. Die Trainingsteilnahme ist freiwillig. Trainingsteilnehmer verpflichten sich, in der Gruppe offen über ihr Leben und die begangene Straftat zu sprechen und die innerhalb der Gruppe verabredeten Regeln einzuhalten. Die Gesprächsinhalte des Trainings unterliegen der Vertraulichkeit.

Lernziele

Durch die Teilnahme am AKT®-Training lernen die Jugendlichen, ihr Gewaltverhalten zu verstehen und zu verändern, das Grundrecht auf Menschenwürde und Unversehrtheit jedes Menschen zu akzeptieren, Konflikte gewaltfrei zu lösen, Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen, Distanz gegenüber Extremismus und menschenverachtenden Ideologien zu entwickeln und ihre Zukunftsplanung eigenverantwortlich zu gestalten

Biografisches Interview

Vor Beginn des Gruppentrainings steht das biografische Einzelinterview mit jedem Teilnehmer, um Erwartungen zu klären, Trainingsziele zu verdeutlichen und eine Vertrauensbasis für die Arbeit in der Gruppe zu entwickeln. In diesem Interview ermutigt der/die Trainer/in den Jugendlichen, über seine Lebensgeschichte, seine Familie, den Freundeskreis, seine politische und religiöse Orientierung und über seine Gewalttaten zu erzählen.

Gruppensitzungen

In der ersten Gruppensitzung legen die Trainer/innen den Ablauf des bevorstehenden Trainings dar. Die Jugendlichen lernen sich gegenseitig kennen und vereinbaren Regeln, die für die Gruppenarbeit gelten sollen. In den Folgesitzungen arbeiten sie sich langsam an die Zusammenhänge zwischen ihrer Biografie, ihrer Gewaltbereitschaft und ihren vorurteilsbehafteten Einstellungen heran. Schrittweise und mithilfe vielfältiger Methoden entwickelt sich innerhalb der Gruppe eine Vertrauensbasis. Alle Trainingseinheiten beginnen und enden mit einer Blitzlichtrunde, in der die Jugendlichen ansprechen können, was sie bewegt. Störungen werden so offengelegt und die Fähigkeit, eigene Gedanken und Gefühle auszudrücken, geübt. Gemeinsam sucht die Gruppe nach Veränderungsmöglichkeiten und die Teilnehmer erleben, dass sie in ihrer aktuellen Situation ernst genommen werden. Beendet werden die Gruppensitzungen – abhängig von Ausstattung und Möglichkeiten der Vollzugsanstalten – mit einer gemeinsamen Sportveranstaltung. Der gemeinsame Sport ermöglicht den Trainer/ innen und den Jugendlichen die Begegnung auf Augenhöhe und bietet ein authentisches Beobachtungsfeld für erfolgte Lernprozesse (z.B. Affektkontrolle.) Bei Bedarf finden im Anschluss an die Gruppensitzung Einzelgespräche mit den Teilnehmern statt.

Schwerpunkt Ideologie

Für die Auseinandersetzung mit menschenverachtenden Ideologien bieten sich situationsbedingt im Trainingsablauf zahlreiche Anlässe. Die Auseinandersetzung mit den Trainer/innen zu Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und aktuellen gesellschaftspolitischen Themen ermöglicht den Teilnehmern, mit politischen Opponenten in einen konflikt- und gewaltfreien Diskurs einzutreten.

Schwerpunkt Gewalt

Der Gewaltproblematik widmet sich ein eigenes Trainingsmodul. Unabhängig von ihren individuellen Taten setzt sich die Gruppe dabei mit Rechtfertigungs- und Verharmlosungsstrategien auseinander. Es geht darum, Gewaltmythen aufzubrechen und zu verstehen, wie Gewalt entsteht. Ein Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Rolle wichtiger Einflussfaktoren, wie z.B. der Kumpel, der Gruppe. Darüber hinaus regen die Trainer/ innen die Teilnehmer an, sich in die Rolle des Opfers zu versetzen, um ihre Empathiefähigkeit zu stärken. Das Lernziel besteht in der Erkenntnis, dass gewalttätiges Handeln nicht zwangsläufig geschieht, sondern dass der Einzelne für seine Gewalthandlungen Verantwortung trägt, und dass ein Verzicht auf Gewalt möglich ist. Im weiteren Verlauf des Trainings eignen sich die Teilnehmer den gewaltfreien und selbstsicheren Umgang mit Konfliktsituationen an. In praxis- und alltagsnahen Übungen lernen sie, ihre Reizschwellen herauszufinden, Körpersignale zu verstehen und im Eskalationsfall schon vor einem Kontrollverlust im Affekt auszusteigen.

Die individuelle Gewaltsitzung

Der Auseinandersetzung mit der eigenen Gewalttat kommt zentrale Bedeutung zu, da jede rechtsextreme und fundamentalistische Ideologie Gewalt als immanenten Bestandteil legitimiert. Jeder Teilnehmer muss sich im Laufe des Trainings auf seine "Gewaltsitzung" einlassen. Nach der minutiösen Rekonstruktion des Tatherganges analysiert und bewertet die Gruppe das Gewaltgeschehen und die Folgen für das Opfer. Während der Jugendliche selbst die Verantwortung übernehmen muss, fungieren die übrigen Gruppenmitglieder als „Gewaltexperten“ in unterstützender Funktion. Dieses Moment der bewussten Verantwortungsübernahme ist die Grundlage dafür, Veränderungsperspektiven und einen persönlichen „Gewaltvermeidungsplan“ zu entwickeln.

Familientage

Im Rahmen der Familien- bzw. Angehörigentage können die Trainer/innen mit den Eltern ins Gespräch kommen und „wunde Punkte“ bzw. nicht bewältigte Probleme ansprechen, die während des Trainings sichtbar geworden sind. Auf Bitte der Jugendlichen werden die Trainer/innen auch mediativ tätig und vermitteln den Eltern, dass sich im gegenseitigen Umgang miteinander etwas ändern muss. Nicht selten tragen die Familientage dazu bei, dass Jugendliche und ihre Eltern sich wieder annähern. Die Einbeziehung von Familienangehörigen ermöglicht darüber hinaus eine Einschätzung, welche Unterstützungsmöglichkeiten den Jugendlichen nach der Haftentlassung zur Verfügung stehen.

Entlassungsvorbereitung

Mit dem Herannahen des Entlassungstermins konzentriert sich die Gruppe darauf, die nahe Zukunft vorzubereiten, den bevorstehenden Alltag zu planen und die initiierte Verhaltensänderung zu stabilisieren. Die Jugendlichen thematisieren ihre Zukunftsaussichten, sprechen über ihre Ziele und Ängste. Zu diesem Zeitpunkt ist es für die Teilnehmer wichtig, ihre Stärken und Schwächen zu erkennen und ihre Möglichkeiten und Grenzen realistisch einzuschätzen. Es gilt zu klären, welche Risiken „draußen“ auf sie warten, und was bei ihrer Rückkehr in alte soziale Bezüge geschieht. Was ist, wenn die alte Clique „draußen“ wartet, am Wochenende an der Tür klingelt, zur „Tour“ einlädt oder gar ein Bedrohungsszenario aufbaut? Was muss passieren und welche Alternativen zu alten Verhaltensmustern bieten sich? Ab jetzt gilt es, Unterstützungs- und Hilfsangebote, die beim Neuanfang nach der Haft stabilisierend wirken können, zu aktivieren. Neben dem Umgang mit Konflikten und Stress-Situationen stehen jetzt auch Arbeits-, Ausbildungs- oder Schulungsmaßnahmen im Fokus. Eine erfolgreiche Re-Integration in die Arbeits- bzw. Ausbildungswelt reduziert die Rückfallgefahr erheblich.

 

Trainingsvideo

JVA_Rassnitz_HaeftlingHinterkopf

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