Violence Prevention Network

 
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Extremistisch gefährdete jugendliche Gewalttäter

Wer am AKT®-Training von Violence Prevention Network teilnimmt, hat vorher heftig zugelangt. So heftig, dass er wegen schwerer Gewalttätigkeit rechtskräftig verurteilt worden ist und seine Haftstrafe absitzt. Etliche Jugendliche haben schon eine lange Gewaltkarriere hinter sich, wenn sie in den Strafvollzug geraten. Was sie eint, ist ihr Hass. Auf „Ausländer“ oder „Ehrlose“, „Schwule“ oder „Penner“, „Zecken“ oder „Spastis.“ Die praktische Arbeit mit ihnen erweist, was die Gewaltforschung bestätigt: Hohe Gewaltbereitschaft geht fast ausschließlich mit ideologisiertem Denken, einer autoritären Einstellung und einem Menschenbild einher, das mit demokratischem Verständnis nicht in Einklang zu bringen ist.

... was sie eint, ist der Hass auf Minderwertige

Rechtsextreme Gewalttäter begehen ihre Taten oft aus dumpfem Hass - Neger stinken! - oder aus offen ausgesprochenen ideologischen Motiven: „Die Volksgemeinschaft muss von solchen Elementen gereinigt werden!“ Auch junge muslimische Gewalttäter speisen ihre Gewalt aus einer tief sitzenden Abneigung gegen vermeintlich schwächere Bevölkerungsgruppen. Der Hass auf Schwächere basiert oft auf archaischen Männlichkeitsbildern und Ehrvorstellungen und kulminiert in der verbreiteten Beschimpfung: „Du Opfer!“ Beiden Tätergruppen ist oft eine antisemitische Einstellung zu eigen. Darüber hinaus berufen sich muslimische Jugendliche oft darauf, ihre Taten angeblich im Einklang mit dem Koran oder anderen religiösen Vorschriften begangen zu haben.

Freundschaft, Ehre und das Gesetz der Straße

Der kleinste gemeinsame Nenner beider Tätergruppen: Sie sind jung, sie sind männlich und sie kommen aus eher bildungsfernen Milieus. Aber darüber hinaus eint beide Tätergruppen ein viel wesentlicheres Merkmal: die Bedeutung der Clique oder Gang – ihre Taten begehen die jungen Männer fast ausschließlich im Gruppenzusammenhang. „Freundschaft“, „Ehre“, „Kameradschaft“ und „Treue“ sind die Bausteine ihrer Ghetto- und Gangmentalität, ihre Taten legitimiert gerne ein - behauptetes - „Gesetz der Straße“. Der Gruppenzusammenhang ist fast immer von außerordentlicher Bedeutung für die begangene Gewalttat und ist im Training ein zentraler Punkt der Auseinandersetzung.

Väterliche Gewalt als Leitbild

Oft waren die jungen Männer beider Tätergruppen in ihrer Kindheit und Jugend massiver väterlicher Gewalt ausgesetzt oder musAt_Homesten Zeuge von Gewalt gegen Mütter und Geschwister werden. Häufig ergänzt bei jungen rechtsextremen die Erfahrung wiederholt abgebrochener Familienbeziehungen, fehlender Anerkennung, Alkoholismus, Demütigung und Missbrauch das Bild. Fast ausnahmslos jedoch fehlt die existenzielle Erfahrung, als Person anerkannt und akzeptiert zu werden. Gewalt als Verhaltensmuster spielt vielfach auch in der Biographie muslimischer Täter eine große Rolle. Anders als es bei ihren rechtsextremen Altersgenossen allerdings wirkt der Familienzusammenhalt zumindest äußerlich intakt. Die traditionelle innerfamiliäre Rollenteilung sieht eine liebende und der Familie dienende Mutter und einen strafenden Vater vor. Dieses väterlich-männliche Gewaltverhalten zu hinterfragen, steht gar nicht erst zur Disposition.

Demütigung durch die Mehrheitsgesellschaft

Unsichere Aufenthaltsgenehmigungen, die jede Zukunftsplanung vereiteln. Lehrerinnen, die sechsjährige Jungs wie Machos behandeln. Handfeste rassistische Übergriffe. Die Demütigungen, die rechtsextreme Gewalttäter innerhalb der Familie erleben, erfahren Jugendliche mit Migrationshintergrund durch die deutsche Mehrheitsgesellschaft. Die Botschaft, die hängenbleibt: Sie sind hier nicht gewollt, eine Perspektive dürfen sie nicht erwarten. Die (Selbst-)Wahrnehmung als Opfer radikalisiert selbst diejenigen, die durch Bildung und die soziale Lage ihrer Familie de facto gute Perspektiven hätten. In der zweiten oder dritten Generation resultiert daraus nicht selten der Rückzug aus der Mehrheitsgesellschaft hinein in die Herkunftsmilieus mit ihren - vermeintlich oder echten -Traditionen und Wertvorstellungen (Selbstethnisierung).

 

Die eigene Biographie verstehen

Hass auf andere ist oft eng mit der eigenen Geschichte verknüpft. Erst, wenn ein Trainingsteilnehmer den Zusammenhang zwischen seiner Biographie, seinen Einstellungen und seinem Handeln versteht, kann ein Veränderungsprozess einsetzen.

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