Dass Jugendliche brutale Gewalttaten gegen Menschen begehen, die anders denken, anders aussehen oder anders glauben, ist längst keine gesellschaftliche Randerscheinung mehr. Rund 2500 jugendliche Straftäter werden jährlich in Deutschland wegen schwerer und schwerster Gewalttaten auffällig, knapp 80 % auch nach einer Haftstrafe wieder. Hintergrund und Motiv: Gewaltbereitschaft, gepaart mit Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und einem Menschenbild, das demokratischen und humanistischen Werten widerspricht.
Junge Menschen, die Fehler begangen haben, müssen eine Chance erhalten, ihr Verhalten zu ändern und einen Ausweg aus der Gewalt zu finden. Kurzzeitpädagogische, verhaltenskonditionierende Maßnahmen greifen hier nicht. Die Gewaltszene ist gut organisiert und wer einmal dabei ist, für den ist ein Ausstieg schwer. Den Rückfall in alte Verhaltensmuster verhindern nur stabile Beziehungen und der Transfer von Lernerfolgen in den Lebensalltag nach der Entlassung.
Welche Erfahrungen muss ein Jugendlicher, der bisher nur Demütigung und Gewalt kennt, machen, um sein Verhalten zu ändern? Basierend auf jahrelanger Erfahrung in der Arbeit mit gewaltbereiten Jugendlichen haben wir - Judy Korn, Thomas Mücke und Helmut Heitmann - das Konzept der Verantwortungspädagogik® und das Programm „Verantwortung übernehmen – Abschied von Hass und Gewalt“ entwickelt. Nach einer Pilotphase in Brandenburg 2001 und 2002 erfolgte 2005 die Gründung von Violence Prevention Network, einem Team ausgewiesener Experten der Präventions- und Bildungsarbeit. Zunächst nur für rechtsextremistisch orientierte Jugendliche konzipiert, haben wir das Programm 2006 auf fundamentalistisch orientierte Jugendlichen mit Migrationshintergrund ausgedehnt. Mittlerweile ist das Programm bundesweit als Best Practice Modell anerkannt und wird in 10 Bundesländern (Stand: Juli 2011) durchgeführt.
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