Nach Ergebnissen jüngerer Forschung gehen Demokratiedistanz und Autoritarismus in hohem Maße einher mit Gewalthaltungen. Das bestätigt die Erfahrungen, die Violence Prevention Network in der Arbeit mit jugendlichen Gewalttätern macht. Auch sind tief sitzende Ressentiments unter Jugendlichen mit ausgeprägten Gewalthaltungen beinahe immer anzutreffen. Das gilt sowohl für jugendliche Täter, deren Gewaltdelikte scheinbar ganz handfest materielle Gründe haben (bspw. Raub), als in besonderem Maße auch für solche, deren Taten in engem Zusammenhang mit ideologisierten Haltungen stehen. In diesem Sinn bedeutet politische Bildung Arbeit an der Gewaltlatenz.
Doch ist Bildungsarbeit mit der Klientel vor besondere Aufgaben gestellt. Was in der Vergangenheit von Pädagogen gelegentlich als Begründung bemüht wurde, die ideologischen Momente einer Tat nicht aufarbeiten zu müssen, ist richtig verstanden gerade Ausdruck und Folge eines grundlegenden Mangels bei den betroffenen Jugendlichen, den es zu beheben gilt, wenn die Bemühungen um Gewalteinhegung dauerhaft wirkungsvoll sein sollen. Je virulenter die Ressentiments sind, desto aussagekräftiger geben „Bruchstückhaftigkeit“ von ideologischen „Versatzstücken“ und ein geringes Maß an Reflexion Aufschluss darüber, an welchem Punkt seiner Sozialisation der Jugendliche stehen geblieben ist. Vielfach ist gewissermaßen das kommunikative ABC nachzuholen, also etwa der Unterschied zwischen so grundlegenden Kategorien zu vermitteln, wie die Fragen danach, was eine Meinung ist und was eine Beleidigung, was eine Tatsache und was eine Lüge etc.
Zugleich gilt es häufig, erhebliche Widerstände und Vorbehalte gegen (politische) Bildung und ihre Vermittler zu bearbeiten. Nicht selten beruhen sie auf konkreten Erfahrungen, die Jugendliche im Laufe ihrer Biographie mit Bildungseinrichtungen machen. Dieses Misstrauen ernst zu nehmen, ist eine der Grundvoraussetzungen für erfolgreiche Bildungsarbeit.
Violence Prevention Network verfolgt in seiner Arbeit niedrigschwellige politische Bildung. Sie knüpft als Querschnittsthema aller Trainings an die lebensweltlichen Erfahrungen der Teilnehmer an. Ihnen wird kein Curriculum vorgelegt, das es abzuarbeiten gilt. Vielmehr wird Wert darauf gelegt, den Teilnehmern Raum und Möglichkeit zu geben, ihre Interessen und Neugierden zu benennen, um die Bildungsreise von hier aus zu beginnen. Die damit verbundene Spontaneität stellt hohe Anforderungen an Methoden- und Allgemeinwissen der Trainerinnen und Trainer. Daher legt Violence Prevention Network großen Wert auf die Bildungsangebote an seine Mitarbeiterrinnen und Mitarbeiter, insbesondere zu Themengebieten aus den ideologisierten Haltungen seiner Klientel.





