Der von Violence Prevention Network entwickelte Ansatz der Verantwortungspädagogik® versteht sich ganzheitlich und bewirkt eine Verhaltensveränderung hin zum verantwortungsbewußten Umgehen mit sich und anderen.
Das pädagogische Konzept beruht auf einem explizit nicht-konfrontativen Ansatz. Akzeptanz und der Verzicht auf Demütigung dienen dazu, Verstehen - nicht Verständnis - zu ermöglichen und Handlungen zu erklären - nicht zu rechtfertigen. Wirksamkeit und Erfolg des Programms basieren im Wesentlichen auf der Kombination von drei Elementen: 1. Gruppentraining während und Stabilisierungscoaching nach der Haft 2. Biographische Aufarbeitung und Einbeziehung von Angehörigen 3. Hinterfragendes Antigewaltkonzept und politisch-historische Bildungsarbeit. zum Anti-Gewalt- und Kompetenztraining® >>
Der verantwortungspädagogische Ansatz beschränkt sich nicht alleine auf die Person, sondern bezieht sukzessive das Umfeld und wichtige Angehörige mit ein. Er sieht zudem eine längerfristige Betreuung vor und bleibt nicht auf den Zeitraum der strafenden wie erzieherischen Maßnahmen beschränkt. Er wirkt unmittelbar in Alltag, Freizeit und Arbeit hinein. D.h., die Pädagogen/innen bleiben den Jugendlichen bei Bedarf auch nach Auslaufen der Haftzeit oder Maßnahme erhalten. Zentral ist in diesem Zusammenhang das Beziehungsangebot. Damit dieses Beziehungsangebot in einer Verhaltensveränderung resultieren kann, erfolgt ein curriculares Training, das Elemente aus lernpsychologischen Ansätzen, dem Kognitivismus und der humanistischen Psychologie beinhaltet und durch die Einbezieheung von Personen aus dem familiären und sozialen Umfeld einem systemischen Handeln entspricht. Verhaltensveränderungen sind nicht unmittelbar die Folge persönlicher Entscheidungen, sondern abhängig von Kontext und Situation und das Ergebnis von Aushandlungen und Prozessen.
Hinzu kommt ein Bildungsansatz, der die Vorstellungen von Gesellschaft, Geschichte, Herkunft, moralischen Prämissen und politischen Vorstellungen immer dann aufgreift, wenn die Teilnehmer sie selber thematisieren; nicht zu vergessen die Ausgestaltung und Selbstverständnisse in Bezug auf Geschlechterrollen. Die inhaltlichen Themen im Kontext Extremismus, Ethnozentrismus, Autoritarismus sind permanent Thema der Auseinandersetzung. Die jeweiligen Ansatzpunkte und Themen entfalten sich unmittelbar aus der Praxis und Erfahrungswelt der Teilnehmer. Das erfordert eine permanente Sensibilität für das Gesagte, um aus den Beschreibungen und Deutungen den Bildungsgehalt zu identifizieren und den darin verborgenen Motivationen und Begründungen "hinterher zu steigen".
Dieses Vorgehen hat sich bei der Zielgruppe als sehr fruchtbarer Weg ist, starres und manifestes Denken zunächst zu irritieren und in Bewegung zu setzen. Vorfabriziertes Wissen mit eindeutigem moralischem Impetus hat dagegen bei dieser Zielgruppe eher Kampfbeziehungen zur Folge. Sie machen „dicht“ und inszenieren geradezu Konfrontationen.
Maßgeblich prügend für den Erfolg sind aber vor allem auch die Pädagog/innen. Veränderungen im Verhalten, „Bewegung“ im Denken sind - über die Methodik hinaus - immer auch eine Frage der Personen, ihrer Haltungen, ihrer Beziehungsgestaltung. Das schließt eine respektvolle dialogische Kommunikation, das Offenlegen des eigenen Selbstverständnisses und das sichere Agieren auf dem methodischen Tableau mit ein. Dafür ist die Qualifizierung, Fortbildung und Begleitung von Trainer/innen, Pädagog/innen und Co-Trainer/innen unerlässlich.





